Aufbau einer zentralen Frischwasserversorgung

Wasserbuch 1956-57

Wasserbuch von Christine Moß 1956-57

1975 wurden die Überlegungen konkret, Stolpe an die zentrale Wasserversorgung von Wankendorf anzuschließen. Das Land hatte schon im Vorfeld die Wankendorfer Wasserversorgung so ausgelegt, dass der Anschluss von Stolpe technisch bereits vorbereitet war.

Die Stolper jedoch hatten Angst, ihre Eigenständigkeit zu verlieren.

Bisher wurde die Gemeinde Stolpe über diverse Hausbrunnen versorgt. Die Leitungen jedoch waren schon über 30 Jahre alt und genügten den Anforderungen nicht mehr. Zuerst wurde über die Möglichkeit nachgedacht, die Gemeinde vom Brunnen des Schlossermeisters Uwe Stender aus zu versorgen. Allerdings konnten sich hierbei Probleme bei der öffentlichen Förderung ergeben, da es sich um einen Privatbrunnen handelte.

Die Bürger in Stolpe halfen sich derweil mit eigenen Konstruktionen:

Der Beginn der Wasserversorgung im Dorfkern

Die Wasserversorgung aus dem Brunnen der Schmiede entwickelte sich langsam. Schon unter Schmied Johann Kröger waren einzelne Häuser angeschlossen. Pro Person kostete das Frischwasser damals 1 Mark. Sein Nachfolger, Schlossermeister Uwe Stender, baute die Versorgung der Stolper in der Oberen Dorfstraße mit einer Leitung für Frischwasser weiter aus. Sie reichte bis zur Schule. Das Wasser aus dem Brunnen der Schmiede war nicht eisenhaltig, da er 28 m tief war. Das Wasser kostete 0,80 DM pro Kubikmeter. Um die Abrechnung genauer gestalten zu können, baute Uwe Stender Wasseruhren in den Häusern ein.

Der Beginn der Wasserversorgung auf dem Bahnhof

Erich Holst, „Ingenieur Holst“ genannt, war der erste Wasserversorger auf dem Bahnhof. Für die ersten Ansiedler reichte es allemal. Herr Holst baute auch eine Enteisungsanlage, denn das Wasser war so eisenhaltig, dass es braun aus dem Wasserhahn kam. Die Frauen gingen so dazu über, die weiße Wäsche mit Regenwasser zu waschen. Immer mehr Anschlusswillige kamen an die Wasserversorgung, bis die Enteisungsanlage nicht mehr ausreichte, das Wasser zu filtern. Zudem musste der Eisenfilter immer wieder gespült werden.

Die Anlage war insgesamt zu klein, um alle Anschlusswilligen zu versorgen. Es wurde Geld für die nötigen Reparaturen gesammelt.

Als die Pannen sich häuften, taten sich mehrere Anlieger, Julius Friedrichsen, Ingenieur Sausel, der wirklich Ingenieur war, und Willi Lamprecht zusammen, um sich aus dem Brunnen von Herrn Sausel (Bahnhofstraße 13) selbst zu versorgen. Das ging auch eine Weile gut, bis immer mehr Anschlusswillige den Brunnen anzapften. Der Wasserdruck wurde zu schwach. In der Zwischenzeit hatte jedoch Uwe Stender eine Wasserleitung zum Bahnhofsviertel hin gebaut. Von dort ließen sich peu à peu alle Häuser des Bahnhofsviertels mit Frischwasser versorgen. Das Ende der Leitung war bei Oltmann Willms am Kielerkamper Weg.

Die Schleswag hatte einen eigenen Brunnen auf ihrem Gelände am Schwarzen Weg. Es war jedoch kein Tiefbrunnen.

Versorgung vom Tiefbrunnen an der Schule

An der Schule gab es ebenfalls einen Tiefbrunnen, der bislang die Schule versorgt hatte. Auch hier gab es Überlegungen, die Häuser der südlichen Dorfstraße anzuschließen. Letztendlich fing Wilhelm Bartsch (Dorfstraße 43) an, selbst einen Graben für eine Trinkwasserleitung zu seinem Haus zu graben. Das war der Startschuss, und die Nachbarn schlossen sich nach und nach an die neue Trinkwasserleitung an.

Adolf Riecken schloss sein Haus in der Dorfstraße 23 über den Heiratsberg an. Der Heiratsberg wurde indes von Uwe Stender versorgt. Bevor Tischlermeister Riecken frisches Wasser aus der Leitung erhalten konnte, musste er sich an den Kosten zur Leitung zum Heiratsberg beteiligen.

Anschluss an das Wasserwerk Wankendorf

Erst im Mai 1980 diskutiert die Gemeinde endlich ihre Vorbehalte gegen das Wankendorfer Wasser aufzugeben und dem Anschluss zuzustimmen. Doch der Meinungsbildungsprozess zog sich noch bis 1982 hin. Dann wurde es endlich ernst mit der zentralen Wasserversorgung für die 250 Haushalte in der zentralen Ortslage, denn die Versorgungsengpässe aus den diversen Hausbrunnen wurden immer schlimmer. Der erste Bauabschnitt im Jahr 1983 war das Kampgelände, also Wankendorfer- und Kampstraße. Ein Hausanschluss kostete 2600 DM. Stolpe musste als Einstand 54 000 DM an das Wasserwerk in Wankendorf zahlen. Der erste Bauabschnitt kostete 650 000 DM, was durch einen Zuschuss vom Land in Höhe von 225 000 DM gemildert wurde. Der Wasserpreis wurde pro Kubikmeter auf 1,25 DM festgelegt. Der zweite Bauabschnitt verlief über den Wiesenweg, die südliche Dorfstraße bis zur Schule, den Heiratsberg miteinbegriffen. 1986 war man dann soweit, den Mißmaaßener Weg bis Mißmaaßen und den Kielerkamper Weg bis nach Nettelau mit Frischwasser  aus Wankendorf zu versorgen.

Um eine zunehmende Belastung des Wassers aus dem Tiefbrunnen in Wankendorf mit Mangan und Eisen zu mindern, musste Stolpe noch einmal 130 000 DM für ein weiteres Filtersystem beisteuern.

 

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