Stolpe um 1316

Die erste Erwähnung unserer Gemeinde im Jahr 1316 fand im so genannten Spätmittelalter statt. Das Spätmittelalter ist der Ausgang der langen Epoche des Mittelalters und leitet über in die frühe Neuzeit.

Am 6. Februar 1316 einigten sich die Schauenburger Grafen Gerhard III., genannt der Große, und Graf Johann III., genannt der Milde, auf eine Teilung des holsteinischen Kernlandes. Die Gemeinden Stolpe und Wankendorf wurden mit Ruhwinkel und Perdoel die südlichsten Gemeinden der Kieler Linie des Grafen Johann III.

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Graf Gerhard III. getötet von Niels Ebbesen

Holstein gehörte zum Fränkischen Reich, seitdem Karl der Große 798 die nordelbischen Sachsen geschlagen hatte.

Vier Monate nach der Teilung Holsteins verstarb am 5. Juni 1316 in Vincennes ganz unerwartet König Ludwig X., genannt der Zänker, mit 27 Jahren an einer Fiebererkrankung. Er hinterließ eine Tochter Johanna und seine schwangere Ehefrau Klementine von Ungarn. Das Erbe besetzte sein Bruder Philipp und sorgt dafür, dass Johanna den Thron als Frau nicht besteigen konnte. Als Ludwigs Sohn Johann posthum am 15. November geboren wurde, gab es endlich den Erbfolger. Das Kind verstarb jedoch 4 Tage nach der Geburt. Ludwigs Bruder regierte als Philipp V. das Frankenreich bis zu seinem frühen Tod 1322.

Ludwig X.

Ludwig X. 1314 (Paris, Bibliothèque nationale de France)

Nach 2 ½ Jahren Streit und einer papstlosen Zeit einigten sich am 7. August 1316 in Lyon 16 französische und 8 italienische Kardinäle im zweitlängsten Konklave der Geschichte auf einen französischen Papst, der sich Johannes XXII. nannte. Er war der erste Papst, der ganz im französischen Avignon, anstatt in Rom, regierte. Damit man sich überhaupt einigte, hatte Philipp V. die Kardinäle in Lyon eingeschlossen, im Rückblick eine weise Entscheidung, jedoch nicht in Bezug auf den Charakter des neuen Papstes. Er galt als jähzornig, starrsinnig und spottsüchtig. Er war der reichste Herrscher seiner Zeit, lebte dennoch persönlich sehr bescheiden. Dante nannte ihn einen Verderber der Kirche.

Johannes XXII

Johannes XXII. (Archives iconographiques du Palais du Roure à Avignon)

 

Diese Ereignisse fanden weit von Holstein statt, und hatten trotzdem Einfluss auf die hiesige Geschichte.

Es waren keine rosigen Zeiten, in denen Stolpe und Wankendorf das Licht der geschichtlichen Welt erblickten.

Im Jahr 1316 häuften sich wieder einmal die Schlechtwetterereignisse. Es gab heftige Regenfälle und Überschwemmungen. Aufgrund der schlechten Ernten folgte eine Hungersnot, an der bis zu 10 % der Bevölkerung starb.

Die Schlechtwetterereignisse waren der frühe Beginn einer Klimaverschlechterung, der so genannten Kleinen Eiszeit. Die Sturmfluten an Nord- und Ostsee häuften sich. Damals entstand das heutige Aussehen der Nordseeküste. 1362 fand in Norddeutschland die Erste Grote Mandränke statt, die große Sturmflut, die den Untergang von Rungholt und mehrere tausend Todesopfer zur Folge hatte.

Grote Mandränke

Grote Mandränke (Foto: helgoland-rungholt.de)

Übrigens waren es 1316 knapp 100 Jahre her, dass die Burg im Stolper See abgebrannt war, warum auch immer. Slawen und Holsaten, sowie die neuen Zuwanderer aus Westfalen und Dithmarschen hatten sich nach der militärischen Niederlage der Slawen friedlich vermischt. Die Rodung des Isarnho ging voran, und es wurden Acker- und Weideflächen für das Vieh geschaffen. Man lebte von der Landwirtschaft und dem Fischfang. Das Dorf Stolpe war nicht groß, bestand vielleicht aus 7 Hufen. Wo diese genau lagen, ist noch nicht geklärt.

Es war bestimmt kein einfaches Leben, aber der Boden war gut. Und der See sorgte für frisches Eiweiß.

Die Kleidung der einfachen Leute bestand in der Unterkleidung aus Leinen, Nessel und Hanf und die Oberbekleidung aus Schafwolle. In der Regel waren die Stoffe ungefärbt. Farbe war für den Adel vorbehalten. Gekleidet waren die Männer mit Beinlingen und langen Strümpfen. Als Oberkleid trugen sie einen Hemdkittel, der seitlich oft geschlitzt war. Die Frauen auf dem Land trugen ein einfaches Oberkleid, das ihre Rundungen nicht betonte. Das war den Damen des hohen Adels vorbehalten. Eine Kindermode gab es damals nicht, die Kinder sahen aus wie die kleinen Ausgaben ihrer Eltern.

Bauern im Mittelalter

Bauern im Mittelalter (Foto: paz-online)

Die Bauern waren noch nicht leibeigen, aber sie mussten Abgaben tätigen. Sie hatten einen weltlichen Herren, den Grafen Johann III. von Kiel. Geistlicher Herr war der Bischof zu Lübeck. 1316 war dies Burkhard zu Serkem (1276 – 1317), der mehrfach im Streit mit den Bürgern Lübecks nach Eutin flüchtete. Stolpe und Wankendorf gehörten zum Kirchspiel Bornhöved, an dessen Pfarrer sie den Zehnten, bzw. die Hälfte davon abführten. Wie wir aus den Kirchenbüchern von Bischof Johannes Schele wissen, gab Wankendorf um 1433 den ganzen Zehnten nach Bornhöved, Stolpe gab die Hälfte nach Bornhöved und die Hälfte nach Lübeck.

So verlief das Leben der Bauern und Fischer im Gleichklang mit den Jahreszeiten Frühjahr; Sommer, Herbst und Winter. Die Pest kam 1346 über das Land. Aber Stolpe erholte sich und wurde zu dem, was es nun 700 Jahre später ist.

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