Erdölförderung in Stolpe

von Dipl.-Ing. Walter Struve, Wankendorf

Pferdekopfpumpe
Die Pferdekopfpumpen waren einmal das Wahrzeichen der Region

In Stolpe wurde in den vergangenen Jahren mehr über Eiszeiten gesprochen als über die Bodenschätze Erdöl und Erdölgas. Die letzte Eiszeit ist heute noch zu sehen an der Form unserer Landschaft. Es gab etwa 3 Kaltzeiten in 500 000 Jahren mit einer durchschnittlichen Dauer von je 55 000 Jahren. Der große Vorteil der letzten Würm – Weichsel – Eiszeit war eben das jetzige Aussehen unserer sehr schönen Heimat mit Findlingen aus Norwegen, Schweden und Finnland. Die in den o.g. Zeiten entstandenen Schichten haben wir mit der DEA allein in Stolpe neunmal durchbohrt und auch Bohrkerne zutage geholt.

Die Entstehung des Erdöls

Erdölentstehung
Erdölentstehung

Wenn man über das Erdöl reden will, dann muss man erst einmal über Salz sprechen. Durch Salz sind die Lagerstätten mit den zur Umwandlung gehörenden Verweilzeiten des Öls geschaffen worden. Vor 280 Mio. Jahren lag Stolpe am Boden des Zechsteinmeeres. Es erstreckte sich von Helsinki bis London, grenzte im Norden an ein riesiges Nordgebirge und reichte im Süden bis nach Stuttgart. Es war ein Binnenmeer mit Verbindung zum Atlantik.
In dieser Perm-Zeit gab es natürlich mehrere Klimawechsel, bei tropischen Temperaturen verdunstete das Wasser mit der Folge, dass sich das Salz mit anderen Mineralien am Meeresboden ablagerte. Mit jedem Klimawechsel vollzog sich ein Zulauf aus dem salzhaltigen Atlantik und wieder eine Verdunstung des Wassers. 63 000 m³ Wasser ergaben hierbei 1000 m³ Salz, eine tolle Leistung der Sonne.
Es kamen danach aber auch wieder klimatische Veränderungen mit Regen, Eis und Schnee, sodass durch Flüsse und Gletscher aus dem Gebirge Sand-, Ton- und Gesteinsschichten auf dem Salz abgelagert wurden.

Viel später in der Jura-Zeit vor 180 – 200 Mio. Jahren mit einem subtropischen Klima waren Unmengen an Kleinstlebewesen, Algen und Plankton, mit einem starken Bewuchs an Land entstanden. Über Bäche und Flüsse gelangte alles, was abstarb und nicht gefressen wurde, als Faulschlamm auf den Meeresboden. In dieser Zeit der Dinisaurier entstanden die Muttergesteine des Erdöls Lias und Rhät. Überlagerungen von Tonschichten verhinderten, dass durch Sauerstoff eine Verwesung stattfand. In den folgenden Jahrmillionen entstand unter zunehmendem Druck und höherer Temperatur das Erdöl, bzw. entstanden die Kohlenwasserstoffe.
Während dieser langen Reifezeit nahmen der Druck und die hohe Temperatur durch ständiges Überlagern dermaßen zu, dass das unten liegende Salz nach oben gepresst wurde. Dabei wanderte das flüssige Öl langsam in die vom Salz durchbrochenen, schräg liegenden Dogger-Sandschichten. In Stolpe Kielerkamp in Teufe (bergmännischer Ausdruck für Tiefe) 2000 m und in Gut Horst in 3000 m angetroffen.
Der Salzstock am Kielerkamp hat eine Ausdehnung von Bramstedt – Boostedt – Wankendorf nach Raisdorf – Kiel – Kappeln, 100 km lang, eine Teufe von 5 km und Breite von 4 km.
Als Ausgleich für das hoch gepresste Salz entstand der Ostholsteinische Trog neben dem Salz, 100 km lang, Breite, bis zum Drömling – Horsterfelde.
Welch ein Aufstieg von Stolpe in 280 Mio. Jahren vom Zechsteinmeer bis zum Ostholsteinischen Trog. Als normaler Mensch hat man keine Vorstellung über solche langen Zeiten.

 Plöner Feld 1953 - fündig
Plöner Feld 1953 – fündig

Unser Prof. Walter Rühl, DEA, hat in einem Buch vorgeschlagen, die Erdgeschichte von ca. 4 Milliarden Jahren auf 1 Tag = 86 400 Sekunden umzulegen. Beginn um 0.00 Uhr bis 24.00 Uhr.
0.00 – 9.00 Uhr: Glut und Hitze
21.00 Uhr: erste Gefäßpflanzen
22.00 Uhr: erste Fische und Amphibien
23.00 Uhr: Saurier
20 Sekunden vor Mitternacht: Beginn der Eiszeit
2 Sekunden vor Mitternacht: Homo sapiens
0,2 Sekunden vor Mitternacht: Hochkultur der Sumerer
0,035 Sekunden vor Mitternacht: Zeit von 0 n. Chr. bis heute 2012

 Warnau 2a
Warnau 2a am Kielerkamp gelegen

Am Anfang war die Aussicht auf fündige Bohrungen in Stolpe nicht schlecht, denn in südlicher Richtung hatte man im Feld Plön (Wankendorf) insgesamt 20 Bohrungen abgeteuft, aber bei der Bohrstelle Plön 11b Lehmrade – Köllingbek gab es eine Niete. Das war das Ende der Lagerstätte Boostedt – Plön (Wankendorf). Im November 1955 wurde vom Konsortium DEA – Elwerath je 50 % die Aufschlussbohrung Warnau 1 in Nettelau – Kielerkamp, unmittelbar an der Kleinbahn Kiel – Segeberg und B 404, beim Bergamt Celle, zuständig für das Land Schleswig-Holstein, eingereicht.
Die Anlage war ein Gittermast 42 m hoch mit einer zulässigen Kronenregellast von 22 t. Absperrvorrichtungen gegen Gas, Schieber und Preventer (zur Verhinderung eines Blowout) waren vorhanden.
Verrohrungsplan 13 3/8 Zoll, 9 5/8 Zoll und 7 Zoll mit 650 Sack zementiert bis zur Erdteufe von 2500 m. Leider war die Warnau 1 nicht fündig, weil die Lagerstätte fast senkrecht am Salzstock ausläuft und nur wenige Meter mächtig ist.

Plön 201 Wankendorf
Plön 201 Wankendorf

Zwei Jahre später, 1957, setzte man 400 m westlich in Richtung Salzstock erneut eine Bohrung an. Sie war ca. 200 m von der Bierquelle „Ingrid“ (Kelling) entfernt. Es war die Warnau 2. Auch diese Bohrung ging zuerst daneben, aber eine Ablenkung bzw. Richtungsänderung zur 2a brachte in Teufe 2450 m im Dogger-Sandstein den ersten Erdölfund in der Gemeinde Stolpe.
Kumulativ kam eine Fördermenge von 1957 – 1986 mit 43 500 t zutage, sie förderte in 21 Monaten 3 Tanks und musste mangels Pipeline mit Straßentankwagen nach Wankendorf transportiert werden.

Schlüters Gasthof 1952
Schlüters Gasthof 1952

Zwei Jahre später, 1957, setzte man 400 m westlich in Richtung Salzstock erneut eine Bohrung an. Sie war ca. 200 m von der Bierquelle „Ingrid“ (Kelling) entfernt. Es war die Warnau 2. Auch diese Bohrung ging zuerst daneben, aber eine Ablenkung bzw. Richtungsänderung zur 2a brachte in Teufe 2450 m im Dogger-Sandstein den ersten Erdölfund in der Gemeinde Stolpe.
Kumulativ kam eine Fördermenge von 1957 – 1986 mit 43 500 t zutage, sie förderte in 21 Monaten 3 Tanks und musste mangels Pipeline mit Straßentankwagen nach Wankendorf transportiert werden.

Betriebsplatz Wankendorf
Betriebsplatz Wankendorf

Wo eine Bohrung fündig wurde, müsste eigentlich noch mehr Öl sein?
Die Bohranlage zog um zur Warnau 3. Sie lag am Weg Nettelau – Löhndorf. Es war ein Gelände, in dem man den Bohrturm nicht auf Walzen verschieben konnte. Der Gittermast musste zerlegt und wieder aufgebaut werden. Dabei saß die Aufbaukolonne im Mast an den Eckstielen bis 45 m hoch, um die von unten mit langen Hanfseilen dirigierten Segmente anzuschrauben.
Anfänglich haben wir die Bohrplätze mit Pickhacken und Spaten eben gemacht. Für die tonnenschweren Spülpumpen, das Hebewerk usw. wurden Kfz-Anhänger eingegraben, sodass man die Schwergewichte ebenerdig auf die Ladefläche ziehen konnte. Zum Abladen musste am Zielort wieder eine Grube ausgehoben werden.
Die Warnau 3, 3a und 3b, also 2 Ablenkungen, fanden nicht das Öl im Dogger-Sandstein bis 2200 m. Der letzte Versuch auf dem Kielerkamp war die 4. Bohrung direkt neben der Warnau 2a.

Warnau 2a
Warnau 2a im Grund des Krummendieck

Aber den 1. Bohrmeister Franz Göhl hatte das Glück verlassen. Er hatte in Wankendorf immer Öl gefunden. Zu Weihnachten schickte er seinem Konkurrenten W. Scheffel einen Ölkern, weil der meistens Nieten gebohrt hatte. Aber es blieb dabei, nur die Warnau 2a förderte fast 30 Jahre lang. Ob sie die Kosten aller Nieten wieder rausgeholt hat, ist fraglich. Die Bohranlage in Schwedeneck z.B. kostete im Jahr 1983 pro Tag 96 000 DM.
Die Gemeinde Stolpe musste damals nicht traurig sein, denn im Osten des Ostholsteinischen Trogs am Drömling ging das Bohren weiter.
Im Feld Plön-Ost war uns meistens nicht bewusst, in welchem Hoheitsgebiet wir uns befanden. Das Erdöl hatte ja nicht an den Gemeindegrenzen halt gemacht, ebenso nicht an den Grundstücken der Eigentümer. Anfängliche Schwierigkeiten waren meist schnell behoben und endeten in langjähriger guter Zusammenarbeit. Alle Aufsichtspersonen hatten allerdings das Bergrecht studiert und waren vom Bergamt anerkannt.

Im Gittermast
Im Gittermast

Die Bohrungen Plön-Ost 33, 40, 93, 95, 102, 105, 110 und 112 lagen im westlichen Ölfeld um das Gut Horst herum auf Stolper Gemeindegebiet.
Die tiefsten Bohrungen 102 und 110 am Drömling waren Nieten mit mehr als 3200 m. Von ihnen stieg die Lagerstätte bis Glasholz – Ascheberg um 600 m an, ideal für eine Sekundärförderung. Die nächst höheren Bohrungen waren die 105 und die 112. Sie hatten wahrscheinlich Ölspuren und waren ebenfalls die ersten Wasserinjektionsbohrungen.
Für die Ölförderung waren es dringend gebrauchte Bohrungen, weil der Druckabfall in der Lagerstätte von 280 bar rapide fortschritt. Es wurde eine Entölung von nur 4 % errechnet.

H. Stölting am Gestänge
H. Stölting am Gestänge

Schon kurz nach dem Abteufen der Bohrungen am Gut Horst stellten wir sie um zu Injektionsbohrungen. Die Erfahrung sagt, dass man bei der Entnahme des Öls das 1,3fache der geförderten Ölmenge durch Wasser ersetzen muss. Am Anfang der Förderung war aber das Wasser knapp, weil nur Reinöl zutage kam. Aus dem Grund hatten wir sogar überlegt, aus dem Plöner See Wasser zu entnehmen. Das wurde aber nichts, weil dieses Regenwasser nicht den entsprechenden pH-Wert hatte. Dann würden in der Perforation die Tone aufquellen. Außerdem käme Sauerstoff mit hinein, das würde Eisenausfall verursachen und die Perforation verstopfen. Letztendlich würden auch noch Bakterien eingeschleppt, die wie in der Regentonne wirken. Es könnten Faulgase entstehen und im schlimmsten Fall Schwefelwasserstoff, H2S-Gase, entstehen. Sie sind hochexplosiv und tödlich.

Gulliver Mast wie bei Gut Horst
Gulliver Mast wie bei Gut Horst

Nur das mitgeförderte Lagerstättenwasser mit einem Salzgehalt von 140g/Liter war problemlos. Dieser Wassermangel war auch bald vorbei, denn die nächst liegenden Bohrungen, leider im Stolper Teil, verwässerten allmählich.
Die Druckerhaltung ist wichtig, um das Erdöl den höher liegenden Bohrungen hinzupressen und um die Verrohrungen in den Bohrlöchern zu sichern. Ein leeres Loch könnte durch den äußeren Gebirgsdruck zusammenbrechen.

Wie kommt man in einer Teufe von 3 200 m an das Erdöl?
Nehmen wir einmal die Plön-Ost 40:
Von der Firma musste vorher ein Bohrbetriebsplan bei der Bergbehörde eingereicht werden, in dem alle Vorschriften, Verordnungen, Gesetze usw. berücksichtigt wurden, z.B. Berggesetz, Wasser, Gefahrgut, Ökologie, Feuer, Arbeitssicherheit, Unfallversicherung etc.
Nach der Genehmigung musste das Gelände waagerecht geebnet und mit einem Wall versehen werden. Ca. 50 x 100 m war die übliche Platzgröße, die mit Wegeplatten aus Holzbohlen ausgelegt wurde. Nachdem der Bohrkeller geschüttet war, konnte der Unterbau aufgestellt werden. Auf diesen Unterbau montierte man liegend den zweibeinigen Gullivermast und richtete ihn mittels Hebelarm und Hebewerk in die senkrechte Stellung. Er war 42 m hoch, hatte eine Kronenregellast von 270 – 300 t und ein Gewicht von 33 – 35 t.
Bei jeder Bohrung musste zuerst das Standrohr gesetzt werden, in diesem Fall 13 3/8 Zoll, ca. 20 m, und mit 62 Sack Zement fest einzementiert. Man pumpte die Zementmenge ins Loch und presste sie in den Ringraum zwischen Bohrlochwand und Standrohr bis zutage.

Am Bohrtisch
Am Bohrtisch

Nach der Zementabbindezeit wurde weiter gebohrt mit einem kleineren Meißel für die 9 5/8 Zoll Futterrohre. Bei 710 m war das Ende dieser Rohrtour, die mit 380 Sack Zement abgedichtet wurde.

So ging es weiter mit der letzten 5 ½ Zoll Rohrtour bis zur Endteufe von 3 203 m. Auch sie wurde mit 708 Sack im Ringraum festzementiert.
Diese Zementationen verhinderten hinter den Rohren Verbindungen von Süß- und Salzwasser, von aufsteigenden Gasen, Erdöl oder unterschiedlichen Drücken.
Gebohrt wurde mit einer Tonspülung, deren Aufgabe es war, das abgebohrte Gestein auszutragen, bei Stillstand es in der Schwebe zu halten, den Bohrmeißel zu kühlen, die Bohrlochwand gegen Flüssigkeiten abzudichten und durch ihr Gewicht den Lagerstättendruck zurückzuhalten.

Laster mit Bohrgerät 1956
Laster mit Bohrgerät 1956

Bei der Plön-Ost 40 hat man, wie im ganzen Feld, die zwei Schluffsande und den Dogger-Hauptsand durchteuft. Er hatte eine Mächtigkeit von 20 m und wurde mit 244 Schuss perforiert. Die Schluffsande waren verwässert.
Zur Förderung wurde eine Kolbenpumpe eingebaut mit einem Wülfel-Pumpenantrieb. Die Lage des Bohrplatzes war so schön, sodass wir dort am Waldrand einmal einen Grillabend veranstaltet haben.
Ganz verschieden waren die eingesetzten Pumpen. Es gab elektrische, hydraulische und mehrere Kolbenpumpentypen, immer abhängig von der Zuflussmenge und der jeweiligen Verwässerung der Bohrung.

Die Arbeit war in den Jahren sehr hart, aber alle waren froh, einen Arbeitsplatz gefunden zu haben. Ich war mit Hannes Bestmann und Bruno Siems auf der Bohrung Plön 14b. Wir hatten nur jeden 3. Sonntag frei, an den nächsten 2 Sonntagen mussten wir mit 2 Schichten je 12 Stunden arbeiten, weil die 3. Schicht frei hatte. Das war nicht nur bei der DEA so üblich, in der Fa. Haniel & Lueg, die in Ascheberg bei uns im Einsatz war, wurde es genau so praktiziert.
In deren Chronik schreibt ein Mitarbeiter: „Ich wurde als 17jähriger eingestellt, mein Stundenlohn betrug ganze 63 Reichspfennig. Nach 6 Wochen wurde ich Bühnenmann in 25 m Höhe. Dafür bekam ich eine Gefahrenzulage von 4 Reichspfennig. Für die Sonntagsschicht mit 12 Stunden gab es offiziell eine Flasche Schnaps. Da ich aber noch keine 18 Jahre alt war, bekam ich 1 kg Bonbons. Das hat mich furchtbar geärgert.“
Wir standen immer in Schichten auf freiem Feld bei Temperaturen bis -20°C. Wir hatten weißgefrorene Fingerspitzen, die Fußlappen in den Gummistiefeln waren fest gefroren und kein Dieselmotor sprang an.

Bohrtrupp
Bohrtrupp

In den ersten Jahren hatten wir 20 schwere Unfälle pro Jahr, darunter Amputationen an Fingern, Füßen, ein Bein, Verlust eines Auges und mehrere tödliche. Sie waren verteilt auf den Förderbetrieb, die Betriebsplätze und Straßen.
Außer einem beinahe tödlichen Unfall, zusammen mit Bestmann und Siems, war ich nach einer Spätschicht im Dunkeln mit dem Fahrrad gestürzt und hatte eine Gesichtshälfte blutig abgeschrammt. Ich musste zum Arzt. Am nächsten Tag sagte mein Chef: „Was haben Sie denn gemacht? Sie haben ja nächste Woche sowieso ein paar Tage Urlaub, dann ist alles nicht mehr so schlimm.“ Später war ich etliche Jahre für Arbeitssicherheit und Unfallverhütung in allen Erdölfeldern Schleswig-Holsteins eingesetzt. In der Zeit haben wir mit ausgebildeten Mitarbeitern mit großer Unterstützung der Firma durch Unfallverhütungsprämien und Beseitigung vieler Gefahrstellen die Unfälle auf Null zurück gefahren. Mit der Zeit wurde alles besser, nur die Ölförderung nicht.
Für jede Bohrung gab es eine Akte mit einem Lebenslauf. Insgesamt hat es im Ostholsteinischen Trog über 200 Bohrungen gegeben, die wir im Lauf der Jahre übertage und untertage kannten.

W. Struwe als Schichtführer
Walter Struwe als Schichtführer

Ein gutes Dutzend Mitarbeiter aus Stolpe waren im Bohrbetrieb und in der Ölgewinnung beschäftigt, einige seit 1952 und andere bis zum Ruhestand, wobei sie aber vielseitig und weit über die Gemeindegrenzen hinaus tätig waren.

Andresen Jan, Nadelloch – Schlosser und Feuerwehrmann Ascheberg / Bohrinsel Mittelplate
Baack Hans, Kielerkamp – Pumpenwärter
Bestmann Hannes, Nettelau – Bühnenmann Bohrbetrieb Wankendorf
Bieber Arthur, Stolpe – Pumpenreparatur Wankendorf – Ascheberg
Feyerabend Harald, Stolpe – Aufwältigung Wankendorf / Flutstation Ascheberg
Grap Willi, Stolpe – Betrieb Wankendorf
Kasch Karl-Heinz, Stolpe – Schlosser, Dreher, Feuerwehrmann, Betriebsrat Ascheberg
Siems Bruno, Stolpe – Bohrbetrieb Wankendorf
Stölting Herbert, Stolpe – Schichtführer Aufwältigung
Stölting Helmut, Stolpe – Aufwältigung Ascheberg
Stoffer Gerd, Stolpe – Aufwältigung Wankendorf
Tietgen Erich, Stolpe – Verlader Wankendorf / Flutstation Wankendorf
Tietgen Werner, Stolpe – Bohrbetrieb Wankendorf
Wendt Hermann, Stolpe – Platzbetrieb Ascheberg und Feuerwehrmann

Werksfeuerwehr in Ascheberg
Werksfeuerwehr in Ascheberg

Es gibt viele Erinnerungen an eine gute Zusammenarbeit bei Tag und Nacht, bei Eis und Schnee, in allen Ölfeldern, in Öl verschmutzter Kleidung oder mit Anzug und Krawatte bei großen Feiern.

Seetauglichkeit Andresen
Seetauglichkeitsprüfung von Jan Andresen auf dem Löschteich

Jan Andresen – musste auf dem Löschteich beweisen, dass er seetauglich war für Mittelplate.
Hans Baack – seinen Ehering fand ich auf der Straße nach Schwarzenlande – Ascheberg.
Hannes Bestmann – stand 30 m hoch im Bohrturm, als die Bühne vom Kloben getroffen wird.
Arthur Bieber – die Mitarbeiter gingen in Deckung, wenn der Chef im Auto vorbei fuhr.
Harald Feyerabend – musste immer am Telefon erklären, dass noch gearbeitet wurde.
Willi Grap – war viel allein in Wankendorf, Ausnahme bei Feuerlöschübungen.
Karl-Heinz Kasch – arbeitete an der Drehbank, obwohl sie eierte und sprach als Betriebsrat hoch- und plattdeutsch.
Bruno Siems – bekam eine Ladung Schmierfett ins Kreuz als der Kloben 42 m hinunter fiel.
Herbert Stölting – lief bei Nebel in einen Teich. De smögt achtern Knick un de Köh kiekt dör hin!
Helmut Stölting – Sohn von Herbert, war in Ascheberg tätig, als ich in Schwedeneck war.
Gerd Stoffer – war beim Betriebsausflug ums Feuerschiff Kiel fürchterlich seekrank.
Erich Tietgen – hat lange zeit Öl verladen von Warnau und Wankendorf, 30 000 Kesselwagen.
Werner Tietgen – war auf der Plön 4 eingesetzt, ging später zur Hähnchenschlachterei Wankendorf.
Hermann Wendt – hat viele Rohre und Pumpenstangen transportiert.

In den Jahren nach 1952 gab es viele Betriebsfeste, Ausflüge mit 7 Bussen nach Hagenbeck, in die Hüttener Berge, nach Ratzeburg, Barbara-Feste in Ascheberg und Wankendorf, Weihnachtsfeiern für die Kinder, Skatabende und Jubiläumsfeiern. Hinzu kamen Betriebssport Kegeln, Fußball, Tennis, Segeln zur Kieler Woche.
Wir konnten anfangs verbilligte Kohlen und Kraftstoffe kaufen.
Das Land Schleswig-Holstein, die Gemeinde, die Landwirte, alle haben sie vom Erdöl profitiert.

Letzte Fahrt
Letzte Fahrt von Erich Tietgen

So bohrten wir Jahr aus, Jahr ein
in allen fremden Ländern
Und was man find’t, gehört nicht sein,
daran ist nichts zu ändern.
Wir haben lediglich die Ehr‘
und Dank, wenn etwas da ist.
Doch find’t man nichts, ist groß Malheur,
dann heißt’s: der Kerl, der kann nichts.
Vallerie, vallera, dann heißt’s: der Kerl, der kann nichts.

Ist aber der Liner eingebaut,
der Bohrturm geht auf Reisen,
dann kommt der Fördermeister ran,
soll seine Kunst beweisen.
Mit Eruption da fängt er an,
und pumpen ist das zweite,
kommt dann kein Tropfen Öl mehr an,
dann ist die Sonde pleite.
Vallerie, vallera, dann ist die Sonde pleite.

Anmerkungen:
Ich benutzte für meine Arbeit:
Bodenschätze in Schleswig-Holstein, Prof. Walter Rühl, DEA

Lehrstoff Deutsche Bohrmeisterschule:
Bohrtechnik – Prof. Dr. Becker
Geologie – Bergdirektor Dipl. Bergingenieur Noltze
Fördertechnik – Dr. Schulze
Berggesetz – Oberbergrat Dr. Ferling

Bohrbetriebsplan, Geologischer Arbeitsplan, Geologisches Profil der Warnau 1, DEA – Bergamt Celle
Karte des Erdölfeldes Warnau und Plön-Ost 40 der Texaco, Nachfolger der DEA, + 112

Eigene Aufzeichnungen, Erinnerungen und Bilder durch meine über 45jährige Tätigkeit im Bohrbetrieb, Förderbetrieb, Aufbereitungsanlagen, Feuerschutz, Arbeitssicherheit und Unfallverhütung, Ölwehr in Nord- und Ostsee, Offshore – Betrieb und Abteilung Öffentlichkeitsarbeit.

„Glück auf“
Walter Struve

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