Die Grafen Luckner auf Depenau (1783 – 1838)

Graf von Luckner
Johann Nikolaus Graf von Luckner

Nikolaus Luckner wurde am 11. Januar 1722 in Cham in der Oberpfalz geboren. Sein Vater war der Chamer Kämmerer, Wirt, Bierbrauer und Hopfenhändler Samuel Luckner, seine Mutter stammte aus Kötzting, wo er nach dem frühen Tod des Vaters 1730 seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte. Er besuchte das Jesuitenkolleg in Passau und trat 1737 in die bayrische Armee ein, mit der er im gleichen Jahr in Ungarn gegen die Türken kämpfte.

lucknerhaustafel
Tafel am Geburtshaus in Cham

Nach Beendigung des österreichischen Erbfolgekrieges verdingte er sich mit seinem Regiment in den Niederlanden, wo er 1748 die begüterte Niederländerin Johanna Cornelia de Cuypers heiratete.

1763 trat er als Generalleutnant für ein Jahresgehalt von 30 000 Livres in die französische Armee ein, wo er es bis zum Marschall brachte.

1778 erwarb er den dänischen Freiherrenstand, 1784 wurde er in den Grafenstand erhoben. In den Friedensjahren lebte er auf seinen Gütern in Holstein, wo er 1783 nach dem Konkurs des Enkels der Gräfin von Cosel, Sigismund, das Gut Depenau erwarb. Graf Nikolaus von Luckner ließ die auf dem Anwesen vorhandene Wasserburg abreißen, um an ihrer Stelle ein großes Schloss zu errichten. Das Vorhaben kam jedoch nicht über die Fundamente hinaus. Von Freiherr von Luckner ging das Gut laut testamentarischer Verfügung vom 27.3.1783 als Sekundogenitur-Fideikommiss an seinen Sohn Ferdinand über.

Im Übrigen wurde im Jahr 1792 zu Ehren des Grafen Luckner für die außergewöhnlichen Erfolge der französischen Rheinarmee die Marseillaise, die französische Nationalhymne, von Rouger de Lisle komponiert.

Bei seinem Abschied 1792 aus dem französischen Militärdienst erhielt er eine Abfindung. Außerdem erhielt er eine ansehnliche Pension von der Nationalversammlung in Paris.

Marschall Graf Luckner
Marschall Graf Luckner

Doch seine Pension wurde immer schleppender gezahlt und schließlich ganz eingestellt. 1793 begab er sich mit Kutscher Sievers und Diener Stölting nach Paris, um seine berechtigten Forderungen zu stellen. Tatsächlich bekam er sein Geld, stellte aber bei der Rückreise in Straßburg fest, dass er zu wenig Geld erhalten hatte. Also machte er kehrt und fuhr zurück nach Paris. Doch auf dem Weg nach Paris wurde er von revolutionären Garden festgenommen und nach Paris zurück gebracht. Dort wurde er vom Revolutionärstribunal zum Tod auf der Guillotine verurteilt. Das Urteil wurde am 4. Januar 1794 vollstreckt.

Sein Kutscher und sein Diener brachten seine Leiche, Kopf und Rumpf getrennt, nach Depenau zurück. Sein Leichnam wurde in Preetz begraben.

Die Guillotinierten der französischen Revolution
Die Guillotinierten der französischen Revolution

Bereits ein Jahr nach seinem Tod wurde Graf Nikolaus von Luckner rehabilitiert. Seinem ältesten Sohn Graf Nikolaus von Luckner (1750 – 1824) händigte man den Marschallstab, zusammen mit den fehlenden Geldern aus. Sein Portrait hängt noch heute im Schloss Versailles aus.

Der Marschallstab
Der Marschallstab

 

Wie festgelegt, erbte sein jüngster Sohn Ferdinand (1762 – 1815) Gut Depenau. Ferdinand war Königlich Dänischer Gesandter in Wien, Polen und der Batavischen Republik in Den Haag. Die batavische Republik der Niederlande war ein französischer Revolutionsexport. Sie war eine Republik der Sieben Provinzen, aus der 1806 das Königreich Holland hervorging. Ferdinand von Luckner heiratete 1797 Hedwig Sophie von Brömbsen. Sie hatten drei Söhne: Carl Nicolaus, geboren 1799, Adam Ferdinand, geboren 1803 und Johann Heinrich Wilhelm, geboren 1805.

Da sich seine wirtschaftlichen Verhältnisse ungünstig entwickelten, kam er 1809 um die königliche Bewilligung ein, das Fideikommiss über Depenau aufzuheben und an seiner Stelle zunächst ein Fideikommisskapital von 400000 Reichsthaler, später von 163000 Rthlr. einzutragen. Dadurch erhielt er die Möglichkeit, Depenau an den Bockhorner Gutsbesitzer und Hamburger Domherrn Caspar Heinrich Georg Schlüter zu verkaufen. Dieser hielt es nur 4 Jahre bis zum seinem Konkurs 1813. Graf Ferdinand von Luckner kaufte Gut Depenau mit den beiden Meierhöfen Nettelau und Löhndorf daraufhin wieder zurück, allerdings blieben die Dörfer Stolpe und Wankendorf von nun ab vom Gut abgetrennt. Ferdinand verstarb jedoch schon am 24.9.1815. Das Gut erbte der älteste Sohn Carl Nicolaus (1799 – 1831), der beim Tod seines Vaters Ferdinand erst 16 Jahre alt. So verwaltete dessen Mutter Hedwig Sophie das Gut für ihren ältesten Sohn, sodass deren Unterschrift unter dem Kontrakt mit dem Müller Christian Friedrich Drenckhan aus dem Jahr 1816 zu finden war.

Wappen von Luckner
Wappen von Luckner

Graf Carl Nicolas von Luckner war unverheiratet und verstarb 1831 im Alter von 32 Jahren. So trat sein nächst jüngerer Bruder Adam Ferdinand das Erbe an. Er war seit 4 Jahren mit Molly Pauline Meyer verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Kinder und suchte sich eine neue Heimat in Ostpreußen. Adam Ferdinand von Luckner veräußerte das Gut 1838 an den Kieler Kaufmann Georg Eduard I Boehme.

 

Quelle u.a.:

Werner Fritzsche: Aus der Familiengeschichte der Grafen von Luckner

 

 

 

 

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