Die Römische Kaiserzeit

Römische Kaiserzeit auf Stolper Gebiet: 1. – 2. Jahrhundert n. Chr.

Die Fundorte aus der Römischen Kaiserzeit befinden auf der Fläche der Weihnachtsbaumplantage des Gutes Depenau, sowie auf der angrenzenden Fläche westlich der B 404.

Es existieren hier drei Schichten untereinander: Die untere aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit), die mittlere aus der Bronzezeit und die obere aus der Römischen Kaiserzeit.

Das Grabungsfeld wurde in zehn Meter breiten Streifen durch Grabungsbagger aufgegraben.

Die Römische Kaiserzeit wird allgemein der Eisenzeit zugerechnet, die um 500 v. Chr. begann. So wurde der Rest eines Eisenverhüttungsofens (Rennofen) gefunden. Im Rennofen wurde Eisen aus Eisenerz gewonnen. Norddeutschland ist reich an Raseneisenerz, dem hiesigen Rohstoff zur Eisenverhüttung. Bei einem pH-Wert unter 5,5 bildet er sich in moorigen Niederungen.

Eisenherstellung

Eisenherstellung

Ebenfalls wurden Teile eines Ofens zum Kalkbrennen entdeckt.

Den Kalk brauchte man für das Kalken der Felder, zur Desinfektion und für die Töpferei. Der Grundstoff für die Keramikherstellung  wurde in Hügeln aus Lehm gefunden.

Grundlage für das Brennen in Öfen war die Herstellung von Holzkohle, mit der man höhere Temperaturen erzeugen konnte. Dafür brauchte man reichlich Wald in der Nähe.

Keramik Tassen und Schalen

Keramik Tassen und Schalen

Es fanden sich reichhaltige Keramikfunde, an denen sogar noch zum Teil Speisereste zu finden waren. Diese werden einer späteren Untersuchung zugeführt. Gefunden wurden Wand-, Rand- und Bodenscherben.

Im nördlichen Bereich des Untersuchungsgebietes wurden gezielt Abfälle deponiert.

Durch den Fund von Werkzeugen und Schmuck kann man einen Einblick in das Alltagsleben der Menschen im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. gewinnen.

Gürtelschnalle

Gürtelschnalle

Die aufregendsten Funde waren jedoch römische Importe. Da die Römer das Gebiet von Schleswig-Holstein zwar mit dem Schiff umrundet, aber niemals unterworfen hatten, können diese nur aus einem regen Handel stammen. Besonders aufschlussreich ist der Fund eines Silberdenars.

Auf der Vorderseite des Denars ist eine Frauendarstellung zu sehen. Es handelt sich um die Gattin des Kaisers Lucius Verus, Lucilla. Auf der Rückseite ist die Siegesgöttin Victoria abgebildet, mit der Inschrift „Venus Victrix“. Diese Münzen wurden in der Zeit von 164-168/169 n. Chr. geprägt.

Römischer Denar

Römischer Denar

Der Wert eines Denars war der Tageslohn eines römischen Söldners. Es ist bekannt, dass Germanen häufig Söldner in der römischen Armee waren. Auf diese Weise könnte die römische Münze in unser Gebiet gekommen sein.

Bronzener Schlangenring

Bronzener Schlangenring

Auch ein besonders kostbarer, weil sehr seltener Bronzering in der angedeuteten Darstellung einer Schlange wurde gefunden (3.-4. Jahrhundert n. Chr.), ebenso wie Gürtelschnallen und Fibeln aus Bronze (um die Zeitenwende) zum Festhalten des Umhangs befanden sich unter den Funden. Eine stabförmige Glasperle mit sternförmigem Querschnitt ist aus römischem Import.

Römische Glasperle

Römische Glasperle

Es gab auch Hinweise auf Textilherstellung. Die Frauen spannen mit Spindeln den Faden. Auf Webstühlen wurde der Faden zu Stoff gewebt.

Webstuhl aus der römischen Kaiserzeit

Webstuhl aus der römischen Kaiserzeit

Ein ganz besonderer Fund war eine Stieleiche, die Brandspuren aufwies. Sie wurde wahrscheinlich vom Blitz getroffen, Eine Datierung nach der C14-Methode und/oder der Dendrochronologie (Bestimmung der Jahresringe) steht noch aus.

Östlich und südlich des Untersuchungsgebietes wurden Torfkuhlen gefunden. In einer Toteismulde hatte sich vor 9 – 8000 Jahren Torf gebildet. Die Mächtigkeit der Torfschicht war ca. 1,20 m. Eine Pollenanalyse steht noch an.

Die Bestattung der Toten der Römischen Kaiserzeit erfolgte meist in Urnengrabfeldern, wie man eines bei Nettelsee fand.

aus: Cornelia Lübke: Abfallentsorgung im großen Stil, Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein, 2011 S. 69-71

Bildnachweis:

Bilder 1-3 und 7 aus der Ausstellung der Grabungsfunde am 12.9.2010 in der Kapelle Nettelsee

Bilder 4-6: Cornelia Lübke, Abfallentsorgung im großen Stil s.o.

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